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Künstliche Intelligenz - Freund oder Feind? Bericht vom "Bei Andreae"

Im brechend vollen Goethe-Institut (130 Leute!) habe ich mit zwei renommierten Professorinnen der Uni Freiburg über das Thema „Künstliche Intelligenz – Freund oder Feind?“ gesprochen.

Prof. Dr. Hannah Bast, Inhaberin der Professur für Algorithmen und Datenstrukturen und Mitglied der Enquete-Kommission KI des Bundestags, leitete den Abend mit der Frage ein „Warum reden gerade alle über KI und was ist das überhaupt?“ und veranschaulichte dem hochkonzentrierten Publikum die grundlegenden Funktionsweisen maschinellen Lernens. Die Erforschung neuronaler Netzwerke ist nichts Neues, aber erst in den letzten Jahren gibt es die für maschinelles Lernen nötigen Datenmengen und Rechenkapazitäten. Bis zu einer universellen Künstlichen Intelligenz werden aber noch Jahrhunderte vergehen, meint Prof. Bast. KI werde noch lange auf sehr spezielle Probleme beschränkt sein.

„Die Gesellschaft muss für sich entscheiden, wie weit sie gehen will und welche Risiken sie für welche Chancen eingehen will“

Prof. Dr. Silja Vöneky, Professorin für Völkerrecht, Rechtsethik und Rechtsvergleichung und Fellow der FRIAS-Gruppe „Verantwortliche KI“ zeigte auf, weshalb dennoch ein ethischer und rechtlicher Rahmen für die Nutzung von KI überfällig ist: Wie sollen autonom fahrende Autos in moralischen Dilemmata bei unvermeidbaren Unfällen entscheiden? Wie kann ein Datenschutz für menschliche Hirndaten aussehen? Wer haftet bei einem von einer KI verursachten Schaden? All diese Fragen sind noch unbeantwortet. Ein mögliches Instrument könnte aus Sicht von Prof. Vöneky ein Fonds für unvorhergesehene Haftungsfälle sein, in den auch Unternehmen einzahlen. Als Orientierung für ein rechtliches KI-Regelwerk sollte auch die Verpflichtung für Unternehmen, die Menschenrechte zu achten, dienen, sowie das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz und natürlich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, aber auch ggf. für KI innovative Konzepte, wie das Vorsorgeprinzip aus dem Umweltrecht übernommen werden. Die Politik muss aus diesen allgemeinen Regeln allerdings konkretisierende Gesetze für KI-Anwendungen ableiten. Wie diese am Ende aussehen, ist ein gesellschaftlicher und politischer Prozess.

„Die Ethiker und Juristen können beratend zur Seite stehen, aber die Gesellschaft muss für sich entscheiden, wie weit sie gehen will und welche Risiken sie für welche Chancen eingehen will“, so Vöneky.

Auch auf internationaler Ebene muss über den Schutz der Menschenrechte und -würde in Zeiten von KI diskutiert werden. Das betrifft besonders akut den militärischen Bereich. Eine Frage, die mich beschäftigt: Wie lässt sich verhindern, dass der Mensch die Entscheidung über Leben und Tod verliert? Kann das Völkerrecht hier eine Grenze ziehen? Prof. Vöneky erklärte: Einige Staaten wie Deutschland oder Österreich setzen sich für Einschränkungen oder Verbote tödlicher autonomer Waffen ein, was aus Vönekys Sicht wichtig und richtig ist, auch um sicherzustellen, dass Kriegsverbrechen weiter verfolgt und Kriegsverbrechen weiter bestraft werden können – andere Staaten, die bereits jetzt massiv in militärische KI investieren, wie die USA und Russland, sehen das anders. Unter anderem mit dem Argument, eine KI könne (anders als Soldaten) so programmiert werden, dass sie stets völkerrechtskonform agiert. Spannende Debatte – Ich denke dennoch wie Frau Vöneky, dass eine Tötungsentscheidung niemals von einer Maschine getroffen werden darf.

Auch das Thema Datenschutz trieb die Diskutantinnen um. Prof. Vöneky wies auf die Notwendigkeit einer „informierten Einwilligung“ statt eines bloßen Häkchen-Klickens hin. Transparenz bei der Verwendung unserer Daten durch Internetkonzerne zu schaffen ist auch aus grüner Sicht eine drängende Aufgabe für die Politik. Prof. Bast merkte an, dass sich schon heute nicht alles verhindern lässt – aber harte Strafen für Datenschutzverstöße notwendig sind.

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten

Mir war es wichtig, neben all diesen Herausforderungen auch die Chancen durch Künstliche Intelligenz nicht aus dem Blick zu verlieren: Effizienzgewinne im Bereich der Lebensmittelproduktion oder Energieversorgung bergen ein großes Potenzial für mehr Nachhaltigkeit – etwa wenn Pflanzen optimal bewässert oder Maschinen nur bei tatsächlichem Bedarf gewartet werden.

Auch im Bereich der Pflege können Roboter eine wertvolle Ergänzung zu menschlicher Arbeit sein.

Klar ist: Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten – Die Politik muss sie daher gestalten und eine breite gesellschaftliche Diskussion anstoßen. Ich hoffe, mit meiner Veranstaltung einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben.

Mein Dank gilt den beiden Professorinnen für die spannende Diskussion, aber auch dem Publikum für die vielen guten und sachlichen Fragen!

Auch von der Badischen Zeitung gibt es einen Bericht.

Passend zum Thema hier der Antrag der Grünen Bundestagsfraktion „Künstliche Intelligenz – Auf Grundlage europäischer Werte entwickeln und zum Wohl von Gesellschaft und Umwelt gestalten“.