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Fachgespräch „Starkes Handwerk braucht gute Fachkräfte“

Mitte Mai diskutierte ich im Rahmen des Fachgesprächs „Starkes Handwerk braucht gute Fachkräfte“ mit Vertretern aus Handwerk, Wissenschaft und Gewerkschaft über die aktuellen Herausforderungen im Handwerk, speziell über die Themen Ausbildung und Tarifbindung.

Für uns Grüne ist das Handwerk ein starker Partner bei der Umsetzung der Energiewende, der Agrarwende und der Verkehrswende. Für uns ist klar: Handwerk hat grünen Boden und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Doch das Handwerk steht vor gewaltigen Herausforderungen. Massiver Fachkräftemangel und unbesetzte Ausbildungsstellen setzen die Betriebe unter Druck. Auch beim Thema Arbeitsbedingungen und Lohnstrukturen gibt es noch viel zu tun.

Daher haben wir uns im ersten Teil unseres Fachgesprächs mit der Frage der Lohnstrukturen und der Tarifbindung auseinandergesetzt, als einen möglichen Hebel für die Steigerung der Attraktivität des Handwerks. Moderiert wurde die Diskussion von Beate Müller-Gemmeke MdB, Sprecherin für Arbeitnehmer*innenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik. Helmut Dittke von der IG Metall und Jan Dannenbring, Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt, Tarifpolitik und Arbeitsrecht Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), diskutierten die Vorschläge von Prof. Dr. Winfried Kluth, Leiter der Forschungsstelle Kammerrecht der Universität Halle-Wittenberg. Er stellte mehrere Möglichkeiten dar mit rechtlichen Mechanismen stärkere Anreize für Handwerksinnungen zu schaffen, sich stärker für die Tarifbindung einzusetzen.

Sowohl ZDH als auch IG Metall bekräftigten, dass eine höhere Tarifbindung das Ziel sein sollte. Das gilt nicht nur für das Thema Löhne, sondern auch für Beteiligung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Für eine Verbesserung der Fachkräftesituation braucht es aber weitere Maßnahmen, die die Attraktivität des Handwerks steigern können.

Im zweiten Teil der Veranstaltung berichtete Prof. Dr. Andreas Diettrich, Lehrstuhl für Wirtschafts- und Gründungspädagogik an der Universität Rostock, von seinen Untersuchungen zur Attraktivität von Ausbildungsberufen. Vielen jungen Auszubildenden sei das Betriebsklima, Führungskultur und die Qualität der Ausbildung wichtiger als die Vergütung. Eine Individualisierung der Ausbildung, wie beispielsweise durch die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung, könnte das Handwerk für junge Menschen erstrebenswerter machen.

In der anschließenden Diskussion, moderiert durch Claudia Müller MdB, Mittelstandsbeauftragte und Sprecherin für maritime Wirtschaft, war man sich einig, dass es keinen einseitigen Lösungsansatz gibt. Die Herausforderungen für das Handwerk sind größer und breiter. Aktuell diskutierte Maßnahmen, wie beispielsweise die Wiedereinführung der Meisterpflicht, werden keine ganzheitlichen Antworten liefern. Noch dazu gibt es immer noch keine verlässlichen Zahlen über die Auswirkungen der Aufhebung der Meisterpflicht.

Wer das Handwerk in die Zukunft führen möchte, muss ganzheitlich ansetzen und zielgenaue Maßnahmen in den Blick nehmen. Wir Grüne wollen daher eine umfassende Strategie zur nachhaltigen Fachkräftegewinnung. Dazu gehört eine Mindestausbildungsvergütung, die Verbesserung der Berufsorientierung an Schulen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber auch ein modernes Einwanderungsrecht, das den Zuzug von Fachkräften durch unbürokratische und anwendungsfreundliche Regeln vereinfacht und beschleunigt.

 

21. Mai 2019
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